„Google for Jobs“: Chance und Herausforderung

In den USA geht das jüngste Service des Suchmaschinengiganten Google bereits ins dritte Jahr, seit Kurzem ist „Google for Jobs“ auch in Deutschland verfügbar. Für Verlage und Jobbörsen-Betreiber tun sich damit Chancen auf.

„Über 80 Prozent der Suchanfragen für ein neues Stellenangebot starten bei Google“, stellt die Recruiting-Agentur Raven51 auf ihrer Website fest. Weshalb es aus Sicht von Google absolut sinnvoll erscheint, sich stärker auf den Stellenmarkt zu konzentrieren, um „aus einem Markt der Jobsuche den Markt der Jobfindung“ zu machen. Analog zu hinlänglich bekannten Such-Bereichen wie News, Maps, Bilder etc. werden nun auch Jobs ausgespielt. Wobei diese neue Suche als eigenständiges Produkt konzipiert wurde.

Entsprechend gibt es eben auch eigene Vorgaben zur Aufbereitung der Jobs durch die Plattformbetreiber im digitalen Stellenmarkt bzw. in Jobbörsen. Zwar wird weiterhin jedes von Googles Such-Bot gefundene Jobinserat indiziert und damit als potentielles Suchergebnis erkannt, insofern es nicht explizit vom Website-Betreiber dafür ausgeschlossen wurde. Wer jedoch zusätzlich Googles Backend-Formatierung implementiert, wird beim Ausspielen der Suchergebnisse eher berücksichtigt – und erhält dementsprechend auch mehr Zugriffe.

Die Grenzen des bekannten Google-Kosmos

Grund für diese speziell zu implementierende Suchlogik war, dass „der traditionelle Google Page-Rank-Algorithmus keine zufrieden stellenden Suchergebnisse im Jobbereich“ geliefert hat, wie Jobiqo-Geschäftsführer Martin Lenz erklärt. Damit fielen Googles Nutzer um die „gewohnt gute User-Experience“ und die Content-Ersteller um zufriedenstellende Click-Through-Rates um. Googles bekanntes Geschäftsmodell stieß in diesem Sinn an seine Grenzen: ohne Suchergebnisse keine passende Werbung, ohne diese kein Umsatz.

Jobiqo beschäftigt sich bereits seit Sommer 2017 mit Google for Jobs. Wertvolle Erkenntnisse wurden in diesem Bereich mit Kunden in den USA und Großbritannien gesammelt, und so können wir auch alle deutschsprachigen Kunden „mit einem großen Erfahrungsschatz“ unterstützen.

Quantität folgt Qualität

Für Traffic, der via Google generiert wird, haben wir „jedenfalls einen leichten Anstieg im Bereich organische Reichweite (SEO) sowie eine Erhöhung der Click-Through-Rate (CTR) gemessen“, so Lenz. Wie immer hängt bei Google jedoch alles stark vom Wettbewerb ab, der um die gleichen Suchbegriffe herrscht. Die Qualität des generierten Traffics wird aber auf jeden Fall gesteigert. Und was die Quantität angeht, wird es nach dem vollständigen Rollout in allen Google-Märkten wohl bald stark nach oben gehen. Insgesamt gab es aber in den letzten zwei Jahren noch keine „Disruption“ am Markt zu beobachten.

Das spezielle Metadaten-Schema, das Google für die Indizierung von ausgeschriebenen Stellen verlangt, und mit dem das strukturelle Auslesen und Indizieren von Jobs ermöglicht wird, erhalten inzwischen alle Kunden unserer Jobbörse-Software automatisch. Sie müssen sich technisch keine Gedanken über die Umsetzung machen. (Optional bieten wir aber auch die Anbindung des Service über eine API-Schnittstelle direkt mit Google an.)

Kurzfristig haben sicher jene Betreiber von Jobbörsen und Karriereseiten einen positiven Effekt zu erwarten, die alle technischen Maßnahmen für Google-Jobs bereits adaptiert haben. Lenz: „Sie erleben gegenüber Seiten, die diese Maßnahmen nicht anwenden, einen deutlichen Vorteil in der Ergebnisdarstellung bei Google.“ Insbesondere Verlage mit einem bereits gut funktionierenden Stellenmarkt sollten darum ein besonderes Augenmerk darauf werfen. Auch wenn Google sich in anderen Bereichen als News-Konkurrent unbeliebt gemacht haben mag.

Erste Erfolge in der Verlagsbranche

Entsprechend hat auch Schwäbisch Media unlängst beschlossen, auf Jobiqo als Technologie-Partner zu setzen: Im Mai 2019 erfuhr schwäbische JOBS, der Stellenmarkt der Schwäbischen Zeitung, einen erfolgreichen Relaunch. „Wir haben jetzt ein digitales Jobportal, das technisch, inhaltlich und optisch absolut up to date ist“, sagt Katharina Binder, Leiterin des Bereichs Recruiting & Personalmarketing. Und zeigt sich auch insbesondere von der gelungenen Vorbereitung auf Google for Jobs in Deutschland beeindruckt: Die Plattform hat ihre Stellenanzeigen mit dem Relaunch „komplett auf strukturierte Daten umgestellt“.

Dies umfasse auch sämtliche Stellenanzeigen aus der Schwäbischen Zeitung und deren Lokalausgaben, wie Felix Kittler, Product Owner von schwäbische JOBS, ergänzt: „Unsere Kunden liefern uns künftig neben ihrer Druckvorlage für die Zeitung den Link zu ihrer digitalen Ausschreibung mit, die dann in optimaler digitaler Form automatisch veröffentlicht wird. Das verbessert nicht nur das Nutzererlebnis auf der Plattform, sondern auch die Auffindbarkeit der Stellenanzeigen über Google.“

Chancen nutzen

Googles strategische Entscheidung, verstärkt auf die Suchergebnisse im Jobbereich zu fokussieren, belegt die Relevanz des digitalen Stellenmarkts. Damit eröffnen sich aber auch neue Kanäle für Jobbörsen-Betreiber, um qualitativ hochwertige Jobsuchende auf den eigenen Stellenmarkt zu bringen und sie ihren Kunden als Fachkräfte zu vermitteln. Wie bei jedem anderen Kanal darf es auch hier nicht zu einer Abhängigkeit gegenüber einem einzelnen Anbieter kommen. Der wohlüberlegte und auf den Bedarf bzw. die jeweilige(n) Zielgruppe(n) zugeschnittene Mix der Kanäle bleibt eine wichtige Grundlage für den nachhaltigen Erfolg einer Jobplattform.

Foto: Michał Parzuchowski/Unsplash

Verfasst von:

Bernhard Madlener

Bernhard ist Senior Enterprise Journalist bei Jobiqo. Er koordiniert das Content-Service für unsere Kunden und kümmert sich um die Medienarbeit.

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