Robo-Journalisten bleiben Zukunftsvision

Immer wieder ist davon zu hören, dass Algorithmen und künstliche Intelligenzen kreative Arbeiten übernehmen (sollen), etwa die Texterstellung. Aus der Sicht professioneller Texterinnen und Texter darf, frei nach Mark Twain, festgestellt werden: Die Nachricht von unserer Abschaffung ist stark übertrieben.

Anfang April 2019 wurde das angeblich erste „maschinengenerierte“ Buch veröffentlicht: Es setzt sich auf mehr als 200 Seiten mit dem Forschungsthema der Lithium-Ionen-Batterie auseinander und erschien unter dem Autorennamen „Beta Writer“. Dahinter steckt ein Algorithmus, den Forscher der Angewandten Computerlinguistik an der Goethe-Universität Frankfurt entwickelt haben. Die Publikation ist kostenlos als E-Book erhältlich, durch eine Kooperation mit dem Springer-Verlag allerdings auch tatsächlich als „echtes“, gedrucktes Buch.

Kreativer Geist auf Silizium-Basis?

In der Logik von Springer ist diese Unterstützung nur konsequent. Immer wieder wird etwa Konzernchef Mathias Döpfner dahingehend zitiert, dass er in Algorithmen, künstlichen Intelligenzen und „Roboterjournalismus“ (zumindest teilweise) die Zukunft des Publizierens sieht. Wobei – so Döpfner etwa im Handelsblatt – darin keine Bedrohung für journalistische Arbeitsplätze schlummere. Vielmehr ermöglichten diese Entwicklungen neue Projekte, „die wir in analogen Zeiten niemals machen und uns auch nicht leisten konnten“. Dabei nennt er etwa die Fußball-Berichterstattung, welche Springer dank neuer technischer Hilfsmittel z.B. für die zweite und dritte Liga deutlich ausbauen konnte.

Wer dabei auf künstlerische Höchstleistungen hofft – sozusagen auf die „Literatin aus der Steckdose“, den „kreativen Geist auf Silizium-Basis“ – muss zwangsläufig enttäuscht werden. Kreativ sind in diesem Zusammenhang in erster Linie die Menschen, die hinter den entsprechenden Tools stecken: die Linguisten und Programmierinnen, die Entwicklerinnen und Designer.

Content-Lücken füllen

Auf den Punkt bringt es Katharina Schell von der Austria Presse Agentur (APA), wenn sie schreibt: „Ohne den Redakteur ist und bleibt der Roboter dumm.“ Im konkreten Fall der APA ist dieser Roboter „Egon“, eine Software zur automatischen Content-Generierung. Auch Egon widmet sich mit seinen Texten dem Thema Fußball, trotzdem es bei seiner Konzeptionierung nie darum ging, „einen Roboter für Bundesliga-Spielberichte zu erfinden.“ Denn „das können die Redakteure besser“, so Schell: „Sie können das Spielgeschehen ganz ohne strukturierten Datenfeed, sondern Kraft ihres Wissens in einer Tiefe schildern, die der höchsten nationalen Liga gebührt. Die Kontextualisierung des Spielverlaufs bis hin zum Wissen über die neue Haarfarbe eines Spielers, der den Ball mit seinem frisch blondierten Schopf ins Tor köpfelt, gehört dazu.“

Allerdings gibt es etwa für „regionale bis hin zu hyperlokalen Begegnungen“ im Fußball ein interessiertes Publikum. Um dieses zu bedienen, fehle in den Newsrooms allzu oft die Kapazität, wie Schell feststellt: „Ein Beispiel für eine Content-Lücke, die von der Maschine gefüllt werden kann.“ Von der Vorstellung eines tatsächlichen Textroboters, der Meldungen nach Art seines menschlichen Vorbilds schreibt, musste die APA allerdings bereits Abstand nehmen: „Der Maschine ist es egal, ob sie Daten zu zwei Absätzen kombiniert, eine Tabelle zeichnet, einen Tweet absetzt oder einen Live-Ticker befüllt.“ Man müsse ihr jedoch genau sagen, „was sie zu tun hat – und wie“.

Der Textgenerator erschafft nichts Neues

Das ist auch der entscheidende Punkt für das Verständnis der „automatischen“ Textgenerierung. Aus dem „Nichts“, durch eine Art „technische Magie“, entsteht natürlich kein Text: Die künstliche Intelligenz, die uns (Online-) Zeitungen befüllt, Nobelpreis-trächtige Erzählungen verfasst oder auch neue Kochrezepte entwickelt, existiert – zumindest bislang – nicht.

Das bestätigt auch unser Test einer entsprechenden Software: Das, was der „Content-Roboter“ an Lesestoff auswirft, muss vorher bereits zur Verfügung stehen. Textgenerierung bedeutet in diesem Sinn, dass vorgefertigte Textbausteine – harte Fakten zu einem Thema und mehrere Variationen von verbindenden Formulierungen – nach bestimmten Regeln verknüpft werden. Das funktioniert sehr gut z.B. für einen Online-Shop, der unterschiedliche Notebook-Modelle verschiedener Hersteller präsentiert. Diesen Geräten gemeinsam ist, dass sie z.B. über bestimmte Speichergrößen (RAM, Festplatten) verfügen; und sie unterscheiden sich wiederum durch die Bauweisen und Größen ihrer Displays.

Diese Hard Facts können relativ einfach über eine Excel-Liste bereitgestellt und der Online-Shop künftig rasch durch neue Modelle ergänzt werden. Deren genaue Darstellung erfolgt dabei über Texte, die einer bestimmten Struktur folgen. Dazu kommt die Kategorisierung etwa nach Speicherart, Verfügbarkeit von Wechseldatenträgern und Schnittstellen, Akkulaufzeit etc. Texte also, die alle nach demselben Muster aus einer vorhandenen Datenbank erstellt werden.

Professionelle SchreiberInnen bleiben noch immer unersetzbar

Die Entwicklung einer solchen Datenbank und der benötigten Verknüpfungsregeln sowie der Art und Weise, wie Texte ausgespielt werden, ist ein immenser Aufwand. Und auch das Befüllen der Software mit den notwendigen Daten, auf denen der Content für den jeweiligen Bedarf generiert wird, benötigt einiges an Arbeit. Der Output wird aber keinen der bis dahin Beteiligten überraschen: Weder wird die Software einen eigenen (journalistischen) Schreibstil prägen noch neue Erkenntnisse präsentieren bzw. bislang unbekannte Schlüsse ziehen können. Wenn wir also z.B. wollen, dass „Hänschen Klein“ etwas anderes tut, als „in die weite Welt hinein“ zu gehen, dann müssen wir uns konkrete Alternativen überlegen: Brennt er mit Irmi durch? Begleitet er Oma in die Kirche? – Nur dann kann die Software – je nach Bedarf, aber bestimmten Regeln folgend – neue Texte generieren.

Bei Jobiqo haben wir in Zusammenhang mit unserer Matching-Technologie bereits viel Erfahrung mit den relevanten Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz gesammelt. In diesem Sinn wissen wir um deren Vorteile – aber auch um die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Diese Grenzen lotet „Beta Writer“ mit seiner Abhandlung über Lithium-Ionen-Batterien aus: Es handelt sich um eine automatisierte Zusammenfassung und Neukombination bereits vorhandener, themenrelevanter Inhalte. Eine willkommene Unterstützung für die wissenschaftliche Forschung und Weiterbildung – aber keine Methode, um neues Wissen oder kreative Textformen zu schaffen.

Abschließend ist damit festzustellen: Zwar können Texterinnen und Texter durch die bereits vorhandenen Software-Lösungen von langweiliger Schreibarbeit nach Schema F – etwa für den erwähnten Online-Shop – befreit werden. Kreative Textarbeit wird aber zumindest mittelfristig nicht von „Robo-Journalisten“ übernommen. Wer daran interessiert ist, sich durch seinen Content vom Mitbewerb abzuheben, vertraut weiterhin auf menschliche Expertise. Das ist zudem auch hinsichtlich der Suchmaschinen-Optimierung einer Website zu empfehlen, wie unsere SEO-Expertin Dajana Doskoc im Interview bestätigt: „Es zahlt sich aus, in qualitativ hochwertigen Content zu investieren“, sagt sie in Hinblick auf Google, denn: „Qualität rankt besser!“

Gerne informieren wir Sie über das Jobiqo Content-Service und freuen uns über Ihre Kontaktaufnahme per E-Mail. Wir melden uns umgehend mit Details bei Ihnen.

Foto: Erhan Astam/Unsplash

Verfasst von:

Bernhard Madlener

Bernhard ist Senior Enterprise Journalist bei Jobiqo. Er koordiniert das Content-Service für unsere Kunden und kümmert sich um die Medienarbeit.

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